GENESIS 2

 

Der verborgene Vorgang der leiblichen Menschwerdung


 

 

Bibel, Altes Testament
Genesis 2, Vers 1 - 4a


   1 So wurden Himmel und Erde
vollendet und ihr ganzes Gefüge.
   2 Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte.
   3 Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.
   4a Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde, als sie
erschaffen wurden.


                                   

Der Übergang von GENESIS 1 ohne Berücksichtigung

des sinnentstellenden Titels "Das Paradies"

 

   Genesis 2, Vers 1, stellt mit der wörtlichen Einführung von

So wurden Himmel und Erde vollendet“ eine deutliche Verbindung

zur Genesis 1 her. Die durch zu "unterschiedlichen Zeiten" begründete und publizierte vorgenommene Trennung, wie sie in Teilen der Bibel-wissenschaft zu lesen ist sollte damit inhaltlich überwunden sein. 

 

   Was am Ende auffällt ist die Tatsache, dass der Satz "Es wurde Abend, und es wurde Morgen" eindeutig am Ende des 7. Tages fehlt. Gottes ruhen und segnen muss daher sicherlich für den ganzen Tag gelten und nicht nur als eine Einschreibung in der Nacht–Hälfte gedacht werden. Auf einer später zu schaffenden Unterseite wird die Verbindung zum Ruhetag im 2. Buch Mose, Exodus 20, Vers 8 bis 11 wieder aufgenommen. Dort als das vierte von den Zehn Geboten.



 

 

 

 

Bibel, Altes Testament

Genesis 2, Vers 4b – 25

 

4b Zur Zeit, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte,
  5 gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher und wuchsen noch
keine Feldpflanzen; denn Gott, der Herr hatte es auf der Erde noch nicht regnen lassen, und es gab noch keinen Menschen, der den Ackerboden bestellte;
   6 aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde und tränkte die ganze Fläche des Ackerbodens.
   7 Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.
   8 Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.
   9 Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

 

 

 

  10 Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert; dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen,
  11  der eine heißt Pischon; er ist es, der das ganze Land Hawila umfließt, wo es Gold gibt.
  12 Das Gold jenes Landes ist gut; dort gibt es auch Bdellium-harz und Karneolsteine.
  13 Der zweite Strom heißt Gihon, er ist es, der das ganze Land Kusch umfließt.
  14 Der dritte Strom heißt Tigris; er ist es, der östlich von Assur vorbei fließt. Der vierte Strom ist der Euphrat.

 15 Gott, der Herr, nahm also den
Menschen und setzte ihn in den
Garten von Eden, damit er ihn
bebaue und hüte.
  16 Dann gebot Gott, der Herr:
Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen,
  17 doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht
essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.
   18 Dann sprach Gott, der Herr:
Es ist nicht gut, daß der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.
   19 Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen,
wie er sie nennen würde. Und wie der Mensch jede lebendige Wesen benannte, so sollte es heißen.
   20 Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand er nicht.

21 Da ließ Gott, der Herr, einen
tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so daß er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloß ihre Stelle mit Fleisch.

   22 Gott, der Herr, baute aus der
Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu.



  23 Und der Mensch sprach:
Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.
 Frau soll sie heißen; denn vom Mann ist sie genommen.
 

 

 

24 Darum verläßt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an eine Frau, und sie werden ein Fleisch.

 

 



  25 Beide, Adam und seine Frau,
waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.

 

TEXTINTERPRETATION

Genesis 2

 

Von der Zeugung zur Geburt


   Erst in der "modernen Bibel" steht vor dem Vers 4b der irreführende
Titel Das Paradies. Dieser impliziert eine Vorstellung die deutlich aus dem Bereich der Phantasie stammt. Werden die Inhalte dieser Verse wertfrei ohne die Überschrift gedeutet, lassen sich darin Vorgänge

von der Zeugung bis zur Geburt eines Menschen sehr klar ableiten.

In Genesis 2 wird demnach eine neunmonatige Phase geschildert, die dem Einnisten und Heranwachsen eines Embryos bis zur Geburt aus dem Mutterleib entspricht. Diese Zeit kann jeder lebende Mensch als zutiefst paradiesisch nachempfinden, da er sich wirklich um nichts

zu kümmern brauchte.
  < Eine besondere Beachtung verdient der Vers 4b, weil dort die Frage nach der Zeit, als Gott, ... eine Rolle spielt; ist sie identisch mit dem

1. Tag von Genesis 1? Das darf bejaht werden. Noch viel wichtiger ist allerdings zu bemerken, dass hier eine prinzipielle Umkehrung in der Schaffung von Himmel & Erde, der "Verdichtung" von Luft zu Erde sich umkehrt, weil jetzt Gott ... zuerst Erde und dann den Himmel machte. Der in Vers 5 und 6 genannte trockene Ackerboden ist der stärkste Hinweis, dass ab jetzt die Materie im Geschehen bedeutsamer wird.
Dies zeigt sich besonders im Vers 7, dort formt Gott einen Menschen aus Erde. Und belebt seinen Geist, sein Bewusstsein, mit der Luft aus Genesis 1, 6. Tag: So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.

< 8:  Dieser Garten den Gott anlegte, ist die Gebärmutter in der sich

das befruchtete Ei einnisten wird; er setzte den Menschen, meint den Moment der Zeugung.
< 9:  Die allerlei Bäume ... mit köstlichen Früchten, sind natürlich wieder Metaphern für Varianten von Liebe als ein gewichtiger Teil unseres Lebens. Beide Bäume verkörpern das Prinzip der wirkvollen Gegensätze. Der Baum der Erkenntnis stellt zusätzlich die Polaritäten von Gut & Böse dar, die uns durch unser Leben als wirkmächtige Lebens- und Naturgesetze begleiten und beeinflussen werden. Was den Baum des Lebens betrifft wird weiter unten abgehandelt.

  < Die Verse 10 bis 14 wirken wie ein Fremdkörper in Genesis 2.

Da aber vier Flüsse Hauptgegenstand der Verse sind, könnte die Vermutung naheliegen, dass wie in Genesis 1 ein Zusammenhang mit Gefühlen (Symbol für das Element Wasser) hergestellt werden soll. Die Vierzahl der Flüsse kann aber auch einen Bezug zu den vier Elementen als psychische/physische Konditionierung haben. Gegen beides spricht, dass sich mit zumindest Tigris und Euphrat, einmalig in der Genesis, ein geografischer Zusammenhang herstellten lässt. Mit dieser Feststellung eines Fremdkörpers in den fünf Versen liegt der Verfasser auf einer Linie der meisten sonstigen theologischen Wissenschaft.


< 15:  Hier wird deutlich, dass mit dem Garten kein Paradies gemeint sein kann, denn bebauen und hüten sind eigentlich keine Aufgaben die in einem Paradies zu erfüllen sind. Stellt man sich ein Paradies vor, hätte darin ein "vergifteter" Baum der Erkenntnis gar nichts zu suchen. Man sollte doch von allen Mühen, sogar des Nachdenkens befreit sein? Was also ist mit diesem Sterben gemeint? Ein paradiesischer Zustand wird natürlich "sterben" müssen, wenn wir im realen Leben natürlichen Herausforderungen begegnen.
Mit diesem gebot ... , das Gott unpersönlich in den "freien Raum" stellt, hat er eine Herausforderung impliziert, bei der offenbleibt ob er nicht andererseits zu dieser Übertretung drängt. Die Erfahrung der Dualität in der realen menschlichen Existenz bedarf der Erkenntnis derselben. Gut & Böse ist eine Metapher für die generell existierende Ambivalenz in fast allen Lebensbereichen.

 
   Im Vers 18 wird sofort deutlich, dass ein auf sich gestellter Mensch

für die Herausforderung des Lebens entsprechende Hilfen braucht.
< 19:  Daher werden die in Genesis 1 symbolischen Tiere des Feldes und die Vögel des Himmels jetzt durch Gott geformt und damit zu realen lebendigen Wesen mit ihren ganz besonderen Fähigkeiten die vom Menschen zu erkennen sind. Sie werden dem Menschen [später] zugeführt werden, damit er ihre "Einsichtigkeiten" nutzen kann. Erst wenn die Tiere vom Menschen eine Namensgebung, im Sinne ihrer Erkenntnis erfahren haben, können sie zu einer Hilfe werden. Eine Umschreibung für einen Prozess der Bewusstwerdung.

< 20 Mit dieser Namensgebung für die Land- und Lufttiere wird ein
Prozess, der zu Erkenntnissen (Einsichten) führen kann eingeleitet.
In Vers 21 versteckt sich die fehlende Hilfe im Zustand des immer noch  embryonalen Menschen.

 
< Vers 21   Mit diesem tiefen Schlaf ist nicht nur der Embryonalzustand des Menschen umschrieben, sondern gleichzeitig der Moment an dem wirklich alle in der Genesis 1 angelegten Potentiale untrennbar in den Leib des Menschen eingeschrieben werden – nicht nur in das Gehirn.

Diese Einschreibung erfolgt nur latent. Denn würden alle Potentiale gleichzeitig bei der unmittelbar anstehenden Geburt des Menschen "aufpoppen", würde das heißen, wir würden schon als der perfekte und mit einem unbegrenzten Bewusstsein ausgestattete Mensch zur Welt kommen. Wie wir wissen ist es nicht so.
Weiter > Vers 21  Der neunmonatige Weg vom Vers 8, der Zeugung, zur

Geburt ist fast vollendet, sobald das Wort Fleisch gefallen ist.

 

< Vers 22:   Rippe ist Poesie. Die wörtliche Übersetzung Seite trifft das Geschehen viel besser. Hinter der Frau, die hier gebaut wurde versteckt sich ganz allgemein ein Körper – und in dem dieser dem Menschen zugeführt wurde – ist in der Sichtbar-Werdung des Körpers eine wahre Geburt vollzogen. Dabei spielt es keine Rolle, dass es Frau heißt, denn natürlich hat ein Mann auch einen Körper. Es wird sich weiterhin zeigen, dass mit den Begriffen Mann/Frau im Sinne von Geist/Körper in den Versen "gespielt" wird. Ein Identität stiftendes Geschlechtsmerkmal spielt in der gesamten Genesis erst eine Rolle die in Genesis 3 zum Tragen kommt. Bis auf die Möglichkeit Kinder in die Welt zu bringen gilt, was für den Mann gilt, gilt auch für die Frau, vice versa.

 

< Vers 23:  Wenn bisher noch Zweifel an einer vollzogenen Geburt des Menschen bestanden, sollten die mit den ersten Schreien eines Babys nach der Geburt mit dem einleitenden Vers ... Und der Mensch sprach: ... ausgeräumt sein. Was der Mensch hier sinngemäß ausspricht ist die Erkenntnis der Dualität, dass eine symbolische Zuordnung von Bein und Fleisch dem Körper=Frau gilt und der bisherige abstrakte Geist mit einem Mann gleichsetzt wird. Frau und Mann werden eben auch als Metaphern verwendet!!!


   Im Vers 24 wird dadurch, dass der symbolische Mann Vater & Mutter verlässt, er sich aber an eine Frau bindet, wird er ein Fleisch – hat er sich zumindest in seinem Selbst und in seinem Köper wiedergefunden.
Noch einmal: Eine Rangordnung wird damit nicht hergestellt, das heißt, sowohl besitzt die reale Frau den gleichen Geist, wie der Mann auch einen realen Körper hat.

< 25:  Hier fällt zum ersten Mal der Name Adam /und seine Frau; und noch nicht der Name Eva, der ist Genesis 3 vorbehalten. Dieser Adam, hebräisch für Mensch, steht für die Verkörperung des Geistes in beiden Geschlechtern. Siehe auch Tabelle im Anhang: Menschen und Namen.
    Die Nacktheit und dass sich nicht schämen beschreiben die Unschuld eines neugeborenen Kindes in seiner Unbewusstheit.

 

Wie es zu einer weiteren Bewusstheit kommt ist Thema von

Genesis 3