Die Wandlung, die

der Inhalt erfährt, sobald nicht mehr vom

"Fall des Menschen"

die Rede ist

 

 

 

GENESIS 3

 

Die Bewusstwerdung des Menschen

 

oder Hinaustreten in das eigene Leben


 

  Einige generelle Fragestellungen zu Genesis 3 wurden schon in der Einleitung angesprochen. Eine lautete: Wer hat und wann wurde die Frau über das "gebot Gott" aufgeklärt "vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen,... sonst wirst du sterben"? Das war ja eindeutig vor ihrer Erschaffung (Gen. 2, 16-17). Hinzu kommt: wie alt mag diese Frau sein, die in der Lage ist mit einer Schlange intellektuell zu kommunizieren? Es ist kaum anzunehmen, dass sie es direkt am nächsten Tag konnte, nachdem sie aus einer Körperseite gebaut wurde (Gen. 2, 22)?
   Dann ist noch bemerkenswert und bedeutend: In Genesis 3 bleibt durchgängig von "die Frau" die Rede, bis zum Vers 20, als mit "Adam nannte seine Frau Eva, ..." das einzige Mal Eva als Name (Leben) fällt. Sind demnach eine bisher und nachher genannte Frau und diese singuläre Eva wirklich als eine völlig identische Person zu betrachten?

   Der inhaltliche Bruch zwischen Genesis 2 und Genesis 3 deutet erst einmal auf eine größere Zeitspanne hin. Dieser liegt auf alle Fälle auch ein Übergang zugrunde, der anderer Natur sein wird als der zwischen Genesis 1 und 2.

 

Das dritte Kapitel der Genesis basiert im Wesentlichen darauf

wie mittels Zwiesprachen die Handlung vorangetrieben wird.



 

 

Bibel, Altes Testament
Genesis 3, Vers 1-24

 

 

 


   1 Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?






   2 Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;
  3 nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen, und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.

 



   4 Darauf sagte die Schlange

zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben.

   5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.



   6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß, sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.

   7 Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.

 


  8 Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und
seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens.                            
   9 Gott, der Herr, rief Adam zu:
Wo bist du?
  10 Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.
  11 Darauf fragte er: Wer hat dir
gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?

   12 Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigestellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen.
  13 Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich gegessen.  

  14 Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens.

 

 

 


   15 Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.

 

 

 

 

 

 

 


  16 Zur Frau sprach er: viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach
deinem Mann; aber er wird über
dich gestellt.

 


  17 Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter
Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens.
   18 Dornen und Disteln lässt

er dir wachsen, und die Pflanzen des Feldes mußt du essen.

 


   19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.

 

 

 

 
   20  Adam nannte seine Frau Eva (Leben), denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 21 Gott, der Herr, machte Adam und seiner Frau Röcke aus Fellen und bekleidete sie damit.

 

 

 

 

 
   22 Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse. Dass er jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt, davon isst und ewig lebt!
 

                   

 

 

 

 

 

 

 


   23 Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten von Eden weg, von dem er genommen war.

 

 

 

 

 

 

 

 


   24  Er vertrieb den Menschen und stellte östlich des Gartens von Eden die Kerubim auf und das lodernde Schwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten.


 

Fussnote aus der Bibel


 

 

 

 

 

 

 

 

 

*1 "Wissenschaft" ist ein Begriff aus dem 19. Jahrhundert.


 

TEXTINTERPRETATION

Genesis 3

 

   Wie aus heiterem Himmel erscheint gleich im ersten Vers ein ganz besonderes Tier mit der verblüffenden Fähigkeit sprechen zu können.


< Vers 1: Die Schlange war schlauer ... Sie sagte zu der Frau: ... Beides wirft viele Fragen auf, von denen ein paar vorab gestellt werden sollen.
Wie ist es zu beurteilen, dass eine Schlange spricht, die als schlauer als alle anderen Tiere gilt – ist das "schlauer" positiv oder negativ zu verstehen? Frage 2: Wer oder was kann diese Schlange noch sein?
Frage 3: Wie alt muss diese Frau inzwischen sein, die eben noch das Licht der Welt erblickte?  Frage 4: Die Schlange setzt voraus, dass die Frau von dem gebot Gott ... (Gen. 2,16) ... von keinem Baum des Gartens dürft ihr essen gehört hat – oder redet die Schlange der Frau das ein? Geboren wurde die Frau ja erst zu einem späteren Zeitpunkt (Gen. 2,22)! Wie das – und noch gibt es keine Eva? Erklärungen werden Sie im folgenden Text finden.

< 2 & 3:  Die Frau muss nicht nur von dem Gebot erfahren haben, sondern in einem Alter sein, dass einen bestimmten Grad von Intellekt oder Bewusstsein voraussetzt.


    An dieser Stelle macht ein Einschub Sinn: Wie sich später zeigt ist die Frau in der Pubertät angekommen. So ist es bei den wie immer verschlüsselten Texten denkbar, dass es sich um eine innere Schlange handeln könnte (Bildlich-symbolisch ihr Rückgrat). Das heißt, in ihrem Körper werden Signale ausgelöst die zu mehr Selbst-Bewusstsein drängen, welches von einem hormonell gesteuerten Körper-Bewusstsein ausgelöst wurde. Daher führt auch nicht Adam dieses Gespräch.

   In Vers 4 stellt die Schlange eine Behauptung auf – ihr werdet nicht sterben – zu der sie in Vers 5 eine Begründung liefern wird die das Wesen und Wissen Gottes zitiert.
< 5:  Die Augen die aufgehen, heißt, gleichsam der elementaren Einblicke der in Genesis 1 und 2 geschaffenen Tierwelt, durch deren Augen oder Einsichtigkeit werden die Einsichten im Menschen belebt und aktiviert. Der Mensch wird – laut Schlange – zu einem Sehenden (wie Gott), der unter den Bedingungen einer bipolaren Schöpfung (Gut und Böse) zu Unterscheidungen befähigt sein muss.

< 6:  Da sah die Frau: Wir kennen den Begriff "sehenden Auges" und meinen sehr klar den Vorgang des inneren Erkennens oder einer Bewusstwerdung. Die Frucht der Erkenntnis ist eine Augenweide. Daher entspringt der im Inneren ausgelöste Reiz der Übertretung – köstlich – eindeutig einem körperlichen Impuls – von seinen Früchten (pl.) vom Baum der Erkenntnis zu essen, der mit seiner Schönheit (Körper) zur Klugheit ("Geist = Mann, der bei ihr war") verlockt ... und auch er aß.

< 7:  Der Reiz die Augen zu öffnen ging von dem inneren Impuls (Körper=Frau) aus und wurde dann vom Mann (Geist) empfangen. Die Erkenntnis, daß sie nackt waren (unschuldig-unbewusst) wurde am äusseren Körper festgestellt und mit einem Schurz zunächst bedeckt und behoben. Noch deutlicher kann ein Hinweis auf ein pubertär und altersbedingt einsetzendes Schamgefühl nicht ausfallen.

< 8: Mit der gewonnenen Erkenntnis können sie Gott zwar hören, aber Adam und seine Frau versteckten sich aus Furcht. Ein typisches Merkmal von eingeschränktem Bewusstsein, wie auch in gegen den Tagwind  (verstandesmäßige Luft). Der Verstand kann die Situation noch nicht vollständig überblicken.


< 9 -11: Mit dem Ruf Gottes an Adam (Mensch, Geist): Wo bist Du? ...

soll diese Erweckung (An-Ruf) des menschlichen Geistes, zu einer

erweiterten Bewusst-Werdung eingeleitet werden. Adam benennt (sein Geist-Intellekt) als Grund des Versteckens seine Furcht vor seinem Mangel (von Bewusstsein) oder seine Unkenntnis (nackt).
  Gottes Gegenfragen sind weitere Herausforderungen um die Bewusst-werdung Adam's zu fördern. Adam muss daraufhin Stellungnehmen: Erstens, zu seiner geistigen Unschuld (nackt), die zweitens auf einer Übertretung (verboten) beruhte ...

< 12-13:  Adam (Geist) weist auf die Frau (Körper) als ein (innerer) Verführer hin, da ist es nur logisch, wenn die Frau die (innere) Schlange verantwortlich macht. Die "Schuldfrage" wird damit an ein natürliches inneres Erwachen des Körpers delegiert. In der Antwort von Adam kann man zwei typische Merkmale der Pubertät entdecken: Erstens die bedingte Zurückweisung von Verantwortung – oder zweitens, sinn-übertragen: "Was kann ich dafür, wenn sich etwas in meinem Körper  (Frau) entwickelt und drängt". Die Schlange wird oftmals auch als die augenöffnende Klugheit bezeichnet.

< Vers 14:  Die Position der Verantwortlichkeit wird deutlich indem Gott eben nicht den Mann oder die Frau (Geist und Körper) verflucht, sondern die Schlange, die im Gegensatz zu allem Vieh (Nutzen) und Tieren des Feldes (Einsichten) steht. Dabei bildet sich wieder eine Polarität ab, denn die Augen von Vieh und Tieren des Feldes sehen das sogenannte Gute und die Schlange das sogenannte Böse. Die Schlange ist das Tier mit den "tiefsten" Einblicken (Auf dem Bauch ... und Staub fressen) in unsere täglichen (alle Tage) irdischen Lebensgrundlagen. Sowohl den psychischen Lebensgrundlagen aus Genesis 1, als auch den physischen, die beide in der Realwelt zum Tragen kommen.

< 15:  Zitat Carla Randel, Buch 2, Seite 515: Die Feindschaft zwischen dem Nachwuchs der Schlange und dem Nachwuchs der Frau beschreibt die Feindschaft zwischen einer individuellen Persönlichkeit, deren Ich dauerhaft an ein niederes Selbst gefesselt bleibt (Schlange), und dem verborgenen Urwissen, aus dem das Heilige geboren wird, das die Menschheit erlöst (innerer Messias). Der Mensch bekämpft seine innere Schlange, indem er sie am Kopf trifft, von dem aus seine Verstandeskräfte gesteuert werden und die innere Schlange bekämpft die Ferse des Menschen, die als Metapher für seinen Standort auf der Erde steht. Die Ferse verweist damit auf das Element Erde, das am ersten Tag der Genesis eine intuitive Weisheit beschreibt, die als "liebstes Kind Gottes"mit seinem Körper verbunden wurde, um erkannt zu werden..."

< 16: Mit viel Mühsal ... sooft du schwanger wirst. ... und unter Schmerzen Kinder gebierst meint: bis die Erkenntnisse der verstandesmäßigen Wahrnehmungen – als deren Kinder = Mann = Geist, lebendig werden oder herrschen – über ... dich gestellt, meint die symbolischen Körper-Impulse, sie sollen damit in Zukunft (Verlangen) als Kräfte des Geistes (männlich/Verstand), über die Einflüsse des Körperlichen (weiblich/Leib) gestellt werden. Es ist hier ausdrücklich keine reale Hierachie von einer Frau hinauf zum Mann in Betracht zu ziehen.

< 17: Wie bereits zuvor, wird nicht Adam, der Mensch verflucht, sondern der Ur-Grund, der Ackerboden. Dieser steht symbolisch für alles Gestalthafte oder Materielle, das heißt, unsere reale Lebens-grundlage. Deinetwegen meint hier, wenn sich der menschliche Geist, sein Verstand nur dem Materiellen verschreibt, wird als ein Resultat davon, die Folge Mühsal alle Tage des Lebens sein.
< 18: Stachlige Pflanzen – Dornen und Disteln (Abwehr von Liebesgefühlen)
stehen im Weg. Aber die Pflanzen des Feldes musst du essen ist der klare Hinweis zum guten Handeln, denn diese Pflanzen symbolisierten die verschiedenen Stufen der Liebe (Gen. 1, 3. Tag), die sich im wahrsten Sinne der Worte ein-zu-verleiben sind.
< 19: Im Schweiße deines Angesichts, ergo vor deinen Augen, meint natürlich wieder, dass Einsichten zu gewinnen sind, indem sie verinnerlicht werden (Brot essen). Von Staub zu Staub heisst nicht notwendigerweise von der Geburt bis zum Tod, sondern kann doppeldeutig auch heißen, nur der Geist oder Verstand kann uns zu einem vollständig gelungenen Leben auf unserem Planeten Erde (Ackerboden/Staub) verhelfen. Es gilt einen ewigen Kreislauf des Lebens zu verstehen.

< Vers 20 ist vielleicht die wesentliche Schlüsselstelle um den Inhalt der drei Teile der Genesis in ihrer Ganzheit zu verstehen. Er führt alle drei Kapitel zusammen und offenbart ihren wesentlichen Kern. Denn es ist die einzige Stelle der Genesis an der beide Namen Adam & Eva zusammen genannt werden – eben durch Adam, nicht durch Gott.

Dieser Gott benutzte zuvor in Genesis 1, Vers 26 den Plural, um die Ambivalenz zu verdeutlichen die Leben ausmacht. Dort heißt es: "Laßt uns .. als unser Abbild, uns ähnlich." – und im späteren Vers 22 (Gen. 3) , "Seht der Mensch ist geworden wie wir, er erkennt Gut und Böse." Hier in Vers 20 ist es Adam, der die Ambivalenz des Menschen durch sein Gegenüber erkennt und benennt; ein Übergang vom Ich zum Wir. Im Vers 22 wird die Ambivalenz durch das Nennen von Gut und Böse weiter verdeutlicht.

   Eva ist der hebräische Name für Leben. In der Bibel mit eben diesem Hinweis (Leben) versehen. So wird Eva dort ein Leben angehängt und damit eine Sinn-Richtung gegeben, die danach wörtlich die "Mutter aller Lebendigen" geworden ist. Damit ist Eva eine Metapher für den bisher fehlenden Schritt einer generellen Belebung, der mit der Möglichkeit von begrenzten Wahrnehmungen durch "tierische Augen" begann. Eva wird zur fehlenden Hilfe, durch die Übersetzung ihres Namens, denn diese Hilfe wurde in Genesis 2 seit dem Vers 20 gesucht. Diese Lücke in der Bewusstwerdung blieb, trotz aller in Genesis 1 geschöpften Potentiale, auch wenn sie in Genesis 2 während des tiefen Schlafs übertragen wurden, aber eben nur in Latenz. Der menschliche Geist, Adam hat hier erkannt, dass in der Betrachtung und dem wahren Gegenüber Eva die Hilfe für die Erweiterung des eigenen Bewusstseins zu Grunde liegt. Wobei der menschliche Geist gleichzeitig in der ErweiterungMutter aller Lebendigen – die Fortsetzung des Lebens durch Fortpflanzung erkennt.

< 21: Was für ein wundervoll klärendes Bild in diesem Vers. Adam und seine Frau (der leibhafte Mensch, nicht das Symbol Eva) sind mitten in der Pubertät angekommen. Da ein Gott mit Sicherheit keinen Schrank hat in dem er Tierfelle lagert, stehen diese Röcke aus Fellen eindeutig für

die wachsende menschliche Körperbehaarung zur Zeit der Geschlechts-reife. Kein Vers der gesamten Genesis ist näher an dem Leben so wie

es sich für uns in natura gestaltet.

 

< 22: Hier wird die Fähigkeit Gut und Böse zu erkennen dem Menschen durch Gottes wir gegeben, der schon dort seine Singularität, Genesis 1, Vers 26, mit einem uns verlassen hatte.

   Gott wendet sich ab hier dem Individuum zu, egal ob Mann oder Frau. Generell ist mit Gut der Geist einer dualen, göttlichen Seele gemeint, die sich von dem Bösen, der singulären Individualität trennen kann. Die gute Seele ist immer die, die bemüht ist, sich in jedem Anderen erkennen zu wollen. Siehe Resümee.

   In der als offene Warnung angelegten nicht die Hand zum Baum des Lebens auszustrecken, schwingt schon wieder eine bewusst angelegte Versuchung mit. Zu dieser neuen Versuchung bedarf es keiner Schlange. Es wird ein abstraktes geistig-psychisches Verlangen vorausgesetzt, einen Weg finden zu wollen, der uns, als zu einer Vollkommenheit neigenden Menschen, wahrscheinlich wieder zurück in einen magischen Garten führen wird. Dort wartet dann der Baum des Lebens mit seiner Frucht, die eine Voll-Endung verheisst.

< 23: Um den eigenen Weg durch das Leben zum Ende der Pubertät zu finden wurde/wird dieser wohl in fast allen Kulturen mit einer Initiation begangen. Hier schickte Gott ... ihn ... weg. Achtung, schon ab ab Vers 22 wurde der Begriff Mensch von Gott nur noch im Singular verwendet, das heisst, er gilt gleichermaßen für beide Geschlechter.  

   Der Garten symbolisiert noch einmal die wohlbehüteten Zeiten der paradiesischen Schwangerschaft und jetzt auch die Zeit, die bis zum Verlassen aus der Elternobhut und Verantwortung sorgenfrei anmutet. Beides war gleichsam der Garten von Eden, von dem er genommen war.
   Die Trennung aus dem bisherigen, sicheren Familienverbund kann wie eine Vertreibung betrachtet oder empfunden werden.

< 24: Liest man den Text sehr genau, wird man zu dem Schluss kommen, dass der Weg östlich, gegen den Sonnenaufgang führt. Man beachte in den Abbildungen in Genesis 1 die senkrechte Trennlinie.  Dann wird klar, dass ab hier der eigene Lebensweg im Taglicht beginnt.

Dort stehen die Kerubim und das lodernde Schwert bereit, die den Weg (zurück? Wohl kaum) zum Baum des Lebens für den Menschen bewachen und ihn nicht davon abhalten sollen ihn zu begehen. Die Vorsorge Gottes zeigt sich eben in der schützenden Mitgabe der an anderer Stelle als stiergesichtig beschriebenen "Engel der Erde" (Kerubim) und dem lodernden Schwert, welches als Begriff für einen luftig (hell) angefeuerten und scharf-blitzenden Verstand steht (Genesis 1, 4. und 5. Tag).


 

  Ein Deutungsvergleich

 

   Gleich hier soll die Fussnote der Bibel zu Genesis 3, Vers 1-24,

herangezogen werden, denn die Diskrepanz zur obigen Textanalyse kann nicht konträrer ausfallen:


   "In einfacher und bildhafter Sprache und an Hand eines typischen Beispiels aus dem Alltag stellt der Erzähler die erste Sünde und ihre verhängnisvollen Folgen dar. Die Schlange ist Sinnbild für die gefährliche Macht des Bösen und für die Hinterhältigkeit. Der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse sind Bilder für die nur Gott zukommenden Eigenschaften der Unsterblichkeit und des umfassenden Wissens, über die der Mensch nicht von sich aus verfügen kann, die Gott ihm aber unter Umständen aus Gnade schenkt."


 

   Das nebenstehende Tafelbild von Meister Bertram zeigt eine typische einseitige Interpretation des letzten Verses, wie er bei einer flüchtigen Betrachtung gesehen werden kann. Wie in der obigen Interpretation ausgeführt, könnte der Engel mit dem Schwert genausogut außerhalb des dargestellten Tores stehen um eine Bewachung auf dem Weg zum Baum des Lebens zu sein.

   Am Rande ist festzustellen, dass der abgebildete Mann und die Frau nicht mit Fellen bekleidet sind.


                     

                               Ein Gott – Eine Frucht


   Ohne Zweifel wurde der Gott der Genesis durch die Menschen geschöpft. Der Frage, ob es einen Gott gibt der den Menschen, die Erde und das Universum geschaffen hat, kann hier nicht nachgegangen werden. Der Gott, so wie er in der Genesis beschrieben wird, folgt Gesetzen, wie uns die natürliche Umwelt erscheint – und in den heutigen “Wissenschaften*1 verfolgt wird. Ein vorherrschendes Merkmal der Natur ist und war die Ambivalenz, die zum ersten Mal in Genesis 1 in den sogenannten Tagen in Erscheinung trat. Der biblische Tag, ein Begriff, der eine dunkle Nacht- und eine helle Tagseite hat. Bei dem das eine ohne das andere nicht denkbar ist.
   Dieses Phänomen der Ambivalenz taucht versteckt in den beiden Bäumen im Garten Eden wieder auf. In Genesis 2, Vers 9, lässt Gott aus dem Ackerboden …wachsen … mit köstlichen Früchten … in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Es darf mit Überzeugung angenommen werden, dass aus und in dem (gleichen) Ackerboden die Wurzeln eine symbolische Verbindung zwischen beiden Bäumen bilden. Folgt man diesem Gedanken, dann muss fast zwingend davon ausgegangen werden, dass die köstlichen Früchte ebenfalls ein gemeinsames Resultat beider Bäume sind. Im Grunde sind sie dann ein Objekt, dass die gleiche Ambivalenz wie der biblische Tag aufweist. Eine Frucht beinhaltet im Wesentlichen zwei Merkmale, das Fleisch und den Kern. Darauf wird zurück zu kommen sein.
   Das Kosten von den Früchten vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, Genesis 3, Vers 6, führte den Menschen in ein weltliches Leben. Der Vers 22 lautet: Dann sprach Gott, der Herr: Seht der Mensch ist geworden wie wir, er erkennt Gut und Böse. Daß er jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt, davon ißt und ewig lebt! Das ewige Leben kann damit ein Teilaspekt des weltlichen Lebens werden.
   In diesem Vers 22 darf diesem Gott in dem wir und der inhaltlichen Logik ein kleines Schelmenstück zuzutrauen sein. Eine Frucht wird im Vers 22 ausdrücklich nicht erwähnt. Wie zuvor schon ausgeführt, ist die unerwähnte Frucht vom Baum des Lebens eine gemeinsame (gleich der Verbindung in einer Wurzel = gleicher Ackerboden), die identisch ist mit der Frucht vom Baum der Erkenntnis. Im Vers 6 hatten die Frau und auch der Mann von den Früchten gegessen. Was sie von dieser gereiften Frucht gegessen hatten war nur das vergängliche Fleisch. Da aber eine Frucht fast immer aus zwei Teilen, dem essbaren, vergänglichen Fleisch und einem oft ungenießbarem, harten Kern besteht, haben Adam & Eva vom Kern zu essen abgelassen.
   Der Kern in seinem symbolischen und wahren Gehalt ist aber der Träger neuen und damit ewigen Lebens. In Vers 7 gingen beiden die Augen auf, aber noch nicht weit genug um diesen Einblick zu haben. Der Sinngehalt der Frucht, der Kern vom Baum des Lebens ist nicht offen gegeben (Vers 7 … sie erkannten, daß sie nackt waren), er wird folglich durch einen weltlichen Prozess der bewussten Erkenntnis-Erweiterung durch den Menschen zu gewinnen sein.

 

Damit endet das dritte Kapitel der Genesis




 

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